Teil 1

Seit einem Jahr leite ich an meiner Schule die Interessengemeinschaft „Rückenwind“. Hier treffen sich wöchentlich für 90min Schüler verschiedener Klassenstufen, denen das Lernen gerade weniger leicht fällt, in einer kleinen Gruppe.

Mein Grundsatz für die Interessengemeinschaft ist:

Fühle dich besser, dann lernst du besser!

Und zu jedem Beginn gibt es von mir die gleiche Aufgabe: Sorge dafür, dass du dich innerhalb von 5min besser fühlst.

Wenn du das liest, denkst du vielleicht: „Was? In 5 min? Wie soll das gehen?“ – Es geht! Und je länger die Kids in der Gruppe sind, desto kreativere und eigenständigere Lösungen kann ich beobachten:

  • ein Junge macht Hampelmänner
  • daneben ein Mädchen, dass mit geschlossenen Augen langsam und bewusst atmet
  • ein Mädchen, dass ihre Wut auf einem Yogakissen heraustrommelt
  • ein Junge, der seinen Blick ins Grüne vor dem Fenster gerichtet hat
  • ein tanzender Junge (mit oder ohne Musik)
  • ein Mädchen, dass neugierig und lächelnd die ganze Szene beobachtet
  • schnelle Liegestütze
  • Luftboxen
  • Überkreuzbewegungen

Es ist eine Freude zu sehen – sie lassen einander „sein“. Sie machen sich immer unabhängiger vom außen und finden ihre eigenen, passenden Wege!
Ich sehe mich selbst ja nicht, aber ich fühle – ich strahle in diesen Momenten über das ganze Gesicht!

Meine Schüler haben Grundlegendes verstanden und werden es in ihr Leben tragen! Lass die anderen sein, wie sie sind. Mache dich mit deinen Gefühlen unabhängig vom Außen und sorge emphatisch für dich! Lerne, wie das geht!

Ja, die Kids schaffen das! Sie erkunden ein Tool nach dem andern und finden spielerisch heraus, was zu ihnen passt!

Und wir – wir können das auch!

Heute möchte ich dir eine erste Strategie an die Hand geben, wie du positiv auf dein Lebensgefühl Einfluss nehmen kannst und ich rate dir: probiere sie spielerisch aus! By the way – alles, was ich dir vorschlage, ist wissenschaftlich untersucht und durch Studien untermauert!

Spoiler: Dies ist der Beginn einer kleinen Reihe zum Wohlbefinden – es lohnt sich also, auch in die nächsten 3 Magazine hineinzuklicken 😉

Deine Strategie 1 für ein besseres Wohlbefinden

Biophillie beschreibt den Umstand, dass der Mensch sich am wohlsten in seiner „natürlichen Umgebung“ fühlt. Als der Mensch begann, die Erde zu bevölkern, hielt er sich in Naturräumen auf. In Gebieten, die, so wie er, von der Natur geschaffen wurden. Dort gehört er hin – dort fühlt er sich wohl.

Heute zieht es immer mehr Menschen in die Städte – mit entsprechenden Folgen.

In einer großen Studie 2009 vom EMGO-Institute for Health and Care in Amsterdam wurden Befunde aus Archiven von 195 Allgemeinmedizinern bezogen auf ein geografisches Raster analysiert. Dabei wurden Planquadrate von 25 × 25 m abgesteckt, anhand derer sich der Anteil an Grünflächen im Umkreis von bis zu 3 km um jeden Haushalt bestimmen ließ. Als »grün« wurden jene Planquadrate klassifiziert, deren Fläche zu mehr als 50 Prozent von Pflanzen bewachsen war. Insgesamt wurden 350.000 Personen in die Studie einbezogen.

Ergebnis: Je grüner die Umgebung, desto seltener treten Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen, Diabetes, Depressionen und Angststörungen auf. Ein Prozent weniger Grün hatte den gleichen Effekt auf die Gesundheit wie das Altern um ein weiteres Lebensjahr. Bei Kindern und Menschen mit niedrigem Einkommen trat dieser Effekt stärker zutage – vermutlich, weil diese im Schnitt mehr Zeit in der näheren Umgebung ihres Zuhauses verbringen. (Quelle: Maas J, Verheij RA, de Vries S, Spreeuwenberg P, Schellevis FG, Groenewegen PP. Morbidity is related to a green living environment. J Epidemiol Community Health 2009, 63; S. 967–73.)

Vielleicht hast du es selbst schon spüren können: gerade nach einem Streitgespräch oder wenn die Stimmung mau ist, tut ein Spaziergang in der Natur gut – hier vereint sich der positive Effekt der bilateralen Bewegung mit dem der Umgebung und wir kommen ruhiger, klarer oder auch zufriedener wieder in unserem Heim an.

Welche positiven Auswirkungen von Natur und besonders grüner Umgebung gelten als gesichert:

  • Stärkung von Körperwahrnehmung und innerer Ruhe
  • Stärkung von Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Verringerung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen und Diabethes
  • Senkung von Ängsten und Depressionen
  • Stärkung des Immunsystems
  • besserer Umgang mit negativen Emotionen
  • verbessert die Gedächtnisleistung
  • Erhöhung der Lebenserwartung

Das sind doch alles gute Gründe, um den beherzten Schritt aus der Häuslichkeit zu wagen – oder? Öffne im Juli sooft du kannst deine Tür – auch das Essen auf der Terasse ist schon ein kleiner Schritt 😉

Und noch etwas gehört zur Natur – die Tiere. Auch die Begegnung und das Zusammensein mit (andern) Tieren wirkt sich nachgewiesenermaßen auf uns Menschen positiv aus!

Hast du selbst schon einmal erfahren, wie wohltuend es ist, wenn eine Katze neben (oder auf dir) vor sich hin schnurrt? Die beruhigenden Frequenzen und die sanfte Vibration wirken auf dein gesamtes System und bescheren Entspannung und sogar Heilung! Vorausgesetzt, du hast keine Katzenallergie… Ich selbst bin eine wirkliche Katzenliebhaberin!

Unser Perserkater Alf hat damals immer gespürt, wenn es einem von uns seelisch oder körperlich nicht gut ging – er war eigentlich ein Einzelgänger, aber wenn er spürte, dass „Not an der Katze“ war, dann setzte er sich stringent neben oder auf den, der gerade Hilfe brauchte.

In einer Befragung mit 3000 Frauen wurde herausgefunden, dass die Hundebesitzerinnen häufiger Sport trieben, besser schliefen, ein insgesamt besseres Gesundheits- und Fitnesslevel hatten, weniger Tage bei der Arbeit fehlten und seltener zum Arzt gingen.

Das Zusammensein mit (anderen) Tieren scheint uns evolutionär bedingt gut zu tun. Wir können hier unser Grundbedürfnis nach Bindung ausleben. Wir fühlen uns in der Versorgerrolle und werden beim Hundespaziergang obendrein bewegt, was unser Wohlbefinden ebenfalls steigert. Wir erhöhen unsere Selbstwirksamkeit, die ganz wichtig für unser psychisches Wohlbefinden ist und erhalten Wertschätzung. Mitunter können wir durch denTierkontakt unser Empathievermögen wieder entdecken, wenn es durch allzu viele negative Erfahrungen etwas „verschüttet“ wurde. Das Tier spiegelt uns und hilft uns so, unsere eigenen Defizite, aber auch unsere Ressourcen besser erkennen zu können! Beim Streicheln eines Tieres wird das Hormom Oxythozin ausgeschüttet, was unser Wohlbefinden massiv beeinflussen kann.

Nicht umsonst werden Tiere auch zunehmend in der Therapie oder der Geriatrie mit viel Erfolg eingesetzt.

Was kannst du tun, wenn du die wunderbaren Effekte der Biophillie in dein Leben holen möchtest, aber nicht in den Wald umziehen und dir auch kein Haustier zulegen möchtest?

Da gibt es eine Menge alltagstauglicher Vorschläge:

  • umgib dich (auch an deinem Arbeitsplatz) mit viel Grün
  • hänge Naturbilder an die Wand
  • jeder Aufenthalt im Garten, Park, Wald oder Wiese nebenan tut gut
  • nutze die Mittagspause zu einem Spaziergang draußen – das trägt zu erfolgreicherem Arbeiten danach bei
  • Teichgeschichten – beobachte Enten, Gänse, Schwäne und deren Kommunikation und spüre, was das mit dir macht
  • lausche beim Waldspaziergang den unterschiedlichen Vögeln
  • übernimm beim Nachbarn das Hunde- oder Katzensitten – probiere dich aus

Vielleicht probierst du im wunderschönen Monat Juli einmal aus, wie gut die Natur und der Umgang mit all ihren Elementen tut! Das schöne Wetter lädt dich ohnehin ein rauszugehen. Ein Spaziergang durch den Wald bringt dir mehr Vorteile als das sitzen am Grill und beim Prosecco – er schenkt dir Ruhe und Ausgeglichenheit, verbindet dich mit dir selbst, erdet dich (besonders beim Barfußlaufen) , verbessert neben deiner Stimmung obendrein deine Blutwerte nachhaltig und stärkt dein Immunsystem.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du dir in der Verbindung zur Natur wieder nahe kommst!

Freu dich auf das nächste Magazin mit Strategie 2 für mehr Wohlbefinden!


Passend zu den sommerlichen Temperaturen kommt als Gimmick 7/26 eine kleine feine 8-Minuten Entspannungsanleitung, die dich ans Meer trägt, obwohl du in Strausberg sitzt. Und ja, auch, wenn wir uns Natur nur vorstellen, beeinflussen wir unser Befinden auf nachhaltige Weise äußerst positiv – probiere es einfach aus. Am besten im Liegen! Viel Spaß!