„Das macht mich kaputt!“ Schon mal gehört? Schon mal gesprochen? Wir alle sind schon einmal „kaputt gegangen“. Und das fühlt sich mies an!

Keine Angst, ich stecke nicht in einer schwierigen Phase, aber ich begegne nicht nur in meinen Coachings immer wieder Menschen, für die die Welt in Scherben liegt. Und wenn Vertrauen entsteht, werde ich Zeuge wunderbarer Verwandlungen. Ich darf Narben und Risse sehen und staune über den unendlichen Mut, sich die ureigenen Lebenskatastrophen anzusehen, ihnen Worte und Gefühle zu schenken – mit dem Wunsch, heil zu werden.

Die Japaner kennen eine uralte Technik, Kaputtes wieder so zusammenzufügen, dass etwas unendlich Wertvolles daraus wird. Die Risse, die Splitter, die Fehler werden geachtet und dürfen gesehen werden. Sie verden vergoldet und ziehen unsere Blicke sich. Und wir staunen darüber, dass was wir sehen, nun sogar vollkommener scheint.

Das Hinschauen bei uns selbst ist unbequem, es tut weh, aber es ist der Beginn der Wandlung. So war es. Das haben wir erlebt. Das lässt sich nicht wegdenken und „wegfühlen“, obwohl viele von uns und manche, es ein Leben lang versuchen.

Wir können die Scherben nicht vomTisch fegen, sie lösen sich nicht in Luft auf – sie sind da. Sie wollen akzeptiert und liebevoll betrachtet werden.

Wenn alte Bilder uns zu sehr vom Boden entfernen, wird unser Körper selbst dafür sorgen, dass wir sie nicht sehen. Wenn sie aber auftauchen, wollen sie gesehen werden – vielleicht ein letztes mal. Dann kommen Heilung, Ganzwerden und Leichtigkeit und es ziehen Akzeptanz und Wärme in unser Leben ein.

Wir können die Scherben mit Geduld zusammenfügen und das erkennen, was wir gelernt haben. Es ist ein Prozess – er braucht Zeit, Entscheidung und Liebe. Vor allem Liebe zu uns selbst. Liebe zu dem was wir sind, was wir durch alle Erfahrungen die wir gemacht haben, die guten wie die schlechten, geworden sind.

Die Scherben fügen sich zusammen, die Risse bleiben und werden zu wertvollen Erkenntnissen, die uns durchs Leben tragen.

Kintsugi (Kint = Gold, Sugi = Verbindung) heißt die japanische Tradition der Keramikreparatur, von der oben schon die Rede war. Sie entstand im 15. Jahrhundert und ihre Entstehung geht auf eine sehr alte Legende zurück:


Vor vielen Jahrhunderten, im Japan des 15. Jahrhunderts, lebte der Shōgun Ashikaga Yoshimasa. Er war ein Mann, der die Schönheit liebte – besonders die zarten Schalen, aus denen er seinen Tee trank. Eines Tages jedoch zerbrach seine liebste Teeschale. Sie war kostbar und von unschätzbarem Wert für ihn, und so schickte er sie weit fort nach China, in der Hoffnung, sie möge sorgfältig repariert zu ihm zurückkehren.

Als die Schale wieder in seine Hände gelangte, erschrak Yoshimasa. Man hatte die Bruchstellen mit groben Flickzeug zusammengefügt – fest, doch ohne jede Anmut. Die Schönheit der Schale war verloren, das Auge blieb an den Narben hängen wie an einer Wunde. Der Shōgun, tief enttäuscht, wandte sich an die Meisterhandwerker seines Landes. „Findet eine bessere Art, das Zerbrochene zu heilen“, soll er gesagt haben.

Und so begann die Kunst des Kintsugi: Die Bruchstellen wurden nicht länger verborgen, sondern mit goldenem Lack gefüllt. Aus dem Makel wurde ein Schmuck, aus der Verletzung ein Leuchten. Als Yoshimasa die reparierte Schale in den Händen hielt, erkannte er, dass sie schöner geworden war als je zuvor. Und er verstand: In jedem Bruch liegt die Möglichkeit zu neuer Schönheit – wenn man den Mut hat, ihn sichtbar sein zu lassen.


Die Kintsugi-Philosophie zeigt uns, dass ein Bruch nicht das Ende ist – es ist die Chance für einen neuen Anfang. Sie schenkt uns 5 Handlungsempfehlungen, die wir in unseren Herzen bewegen können:

Kintsugi ist zunächst der Entschluss, Altes, Beschädigtes zu bewahren und anzuerkennen. Daran schließt sich ein Weg, der, von Geduld und Selbstliebe begleitet, zu einem Neuen führt, was Erfahrenes nicht wegwünscht und tilgen möchte, sondern anerkennt, achtet und als Lernmöglichkeit betrachtet.

Eine alte Schale mit dieser Technik zu etwas Neuem werden zu lassen, braucht seine Zeit. In Japan verwenden die Meister bis zu einem halben Jahr für ein Reparaturstück, denn jede Narbe möchte gesehen und achtsam behandelt werden. Im Film kannst du einem erfahrenen Kntsugi-Meiser bei der Arbeit zuschauen:

Kintsugi kann eine lebensverändernde Metapher für unser Leben sein. Wenn wir die Lehren der Kintsugi Philosophie auf unser Leben übertragen, können wir eine Situation in neuem Licht erscheinen lassen. Lebenserfahrungen, die wir als “zerbrochen” oder “verloren” in Erinnerung haben, können, wenn sie gesehen, gefühlt und geachtet werden, eine neue Wendung und Wertung erhalten.

Unser Leben verläuft nicht immer geradlinig und nicht immer nach unseren Vorstellungen. Wie wir unsere Erfahrungen bewerten und verarbeiten, wie wir Verbindungen zwischen Lebensereignissen herstellen, ist unsere Entscheidung.

Die Kintsugi-Philosophie gibt uns die Möglichkeit, in unseren Lebensscherben eine zusammenhängende, wertvolle Geschichte zu entdecken – Risse, Falten und Brüche als wertvolle Teile unseres Lebens zu betrachten, ohne die wir nicht wären, wer wir sind.

Ich bin immer wieder berührt, wenn ich in meiner Arbeit als Coach Menschen in ein neues Selbstverständnis und somit in ein neues Leben begleiten kann, dass alle gemachten Erfahrungen wertschätzend anerkennt und im Heute mit Akzeptanz, Mitgefühl und Verstehen betrachtet.

Sprich mich gerne an, wenn ich auch dir helfen darf, die „Scherben“ deines Lebens zu einem einzigartigen Kintsugi werden zu lassen.

Wenn du die alte japanische Technik ganz handwerklich einmal ausprobieren möchtest, wirst du beispielsweise hier fündig.


Wer mein Magazin schon länger verfolgt, hat im September vielleicht auf Teil 2 meiner kleinen „Besserfühler“-Serie gewartet. Keine Angst, die Serie wird fortgesetzt. Der Kintsugi-Impuls war in diesem Monat näher an meinem Herzen…


Im September schenke ich dir ein visuelles Kintsugi – ich lade dich ein, in einer wertschätzenden und liebevollen Art auf dein Leben zu blicken. Mit meiner Audioanleitung (am besten mit Kopfhörern hören) holst du dir liebevolle Momente und Selbstachtung in deine Tage.